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5 Min. Lesezeit

Esskastanie oder Rosskastanie? So unterscheidest du sie

Im Oktober liegen beide unter den Bäumen. Woran du Esskastanie und giftige Rosskastanie an Blatt, Hülle und Frucht auseinanderhältst.

Aufgeplatzte, dicht bestachelte Hülle einer Esskastanie mit zwei glänzend braunen Früchten auf dem Waldboden

Anfang Oktober knackt es unter vielen Bäumen: Die Kastanien fallen. Nur meint „Kastanie" zwei völlig verschiedene Bäume. Die Esskastanie (Castanea sativa, auch Edelkastanie oder Marone) liefert die Früchte, die im Winter geröstet am Straßenstand verkauft werden. Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) steht in Parks, Alleen und auf Schulhöfen – ihre Samen sind giftig. Beide reifen im Herbst, beide stecken in einer stacheligen Hülle. Hier erfährst du, woran du sie auseinanderhältst.

Zwei Bäume, nicht verwandt

Die Esskastanie gehört zu den Buchengewächsen, ist also mit Buche und Eiche verwandt. Die Rosskastanie ist ein Seifenbaumgewächs. Sie stammt vom Balkan und wird seit dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa gepflanzt. Den Namen teilen sich die beiden nur, weil ihre Früchte ähnlich aussehen: ein brauner Kern in stacheliger Hülle.

Achtung Verwechslung: die Rosskastanie

Die Giftinformationszentrale Bonn stuft die Rosskastanie als gering giftig ein. Giftig sind alle Pflanzenteile, besonders die grünen Fruchtschalen und unreife Früchte. Verantwortlich sind Saponine. Wer Rosskastanien isst, kann laut Giftzentrale Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen bekommen.

Rosskastanien blühen je nach Art weiß, rot oder gelb. Für alle gilt: Ihre Samen gehören nicht in die Küche.

Hat ein Kind eine Rosskastanie verschluckt, ruf den Giftnotruf deines Bundeslandes an oder hol ärztliche Hilfe.

Merkmal für Merkmal

Bestimme immer am Baum – nicht an einer einzelnen Frucht vom Boden.

Das Blatt (das wichtigste Merkmal)

  • Esskastanie: ein einzelnes, lang-schmales Blatt, 12 bis 20 Zentimeter lang und nur 3 bis 6 Zentimeter breit. Der Rand ist gesägt, jeder Zahn endet in einer feinen, nach vorn gerichteten Spitze. Die Blätter sitzen versetzt am Zweig.
  • Rosskastanie: ein großes, handförmig gefingertes Blatt aus fünf oder sieben Blättchen, die strahlenförmig an einem langen Stiel sitzen. Die Blätter stehen sich am Zweig paarweise gegenüber.

Einzelnes, lang-schmales Blatt der Esskastanie mit gesägtem Rand und feinen Zahnspitzen

Esskastanie: ein einzelnes, lang-schmales Blatt mit gesägtem Rand. Foto: Vassil, gemeinfrei.

Handförmig gefingertes Blatt der Rosskastanie aus fünf Blättchen an einem langen Stiel

Rosskastanie: ein gefingertes Blatt aus fünf Blättchen an einem langen Stiel. Foto: Andrikkos, gemeinfrei.

Am Baum ist dieses Merkmal am leichtesten zu erkennen – auch noch, wenn sich das Laub im Oktober verfärbt.

Die Hülle

  • Esskastanie: ein Fruchtbecher, der dicht mit langen, feinen Stacheln besetzt ist – wie ein kleiner Igel. Reif öffnet er sich mit vier Klappen und gibt ein bis drei Früchte frei.
  • Rosskastanie: eine dicke, ledrige Kapsel mit kürzeren, lockerer stehenden Stacheln. Darin liegt meist ein einziger Samen, selten bis zu drei.

Zweig der Esskastanie mit mehreren dicht und lang bestachelten Hüllen zwischen lang-schmalen Blättern

Esskastanie: Hüllen dicht wie ein Igel, dazwischen die lang-schmalen Blätter. Foto: fotokoci, CC0.

Zweig der Rosskastanie mit grünen Kapseln, die nur wenige kurze Stacheln tragen, neben gefingerten Blättern

Rosskastanie: grüne Kapseln mit wenigen, kurzen Stacheln. Foto: Andrikkos, gemeinfrei.

Die Frucht

  • Esskastanie: glänzend braun, oben mit einer kleinen, behaarten Spitze (Reste von Blüte und Griffeln). Liegen zwei oder drei Früchte in einem Becher, sind sie an den Berührungsseiten oft abgeflacht.
  • Rosskastanie: glatt, glänzend, rundlich bis flachkugelig – ohne Spitze.

Achtung: Der helle Fleck an der Unterseite ist kein Unterscheidungsmerkmal. Beide Früchte haben so einen Nabelfleck.

Die eine Regel

Blatt, Hülle und Frucht müssen alle drei zur Esskastanie passen. Passt nur eines nicht, oder liegen lose Früchte unter einem Baum, den du nicht bestimmen kannst: liegen lassen.

Wo Esskastanien in Deutschland wachsen

Die Esskastanie liebt Wärme und saure Böden, Kalk mag sie nicht. Ihre Hauptvorkommen in Deutschland liegen in der Pfalz – dort heißen die Früchte „Keschde" – sowie an Nahe, Saar und Mosel. Recht häufig ist sie außerdem in der Oberrheinischen Tiefebene, im westlichen Schwarzwald, im Odenwald, am unteren Main und im Taunus.

Weiter nördlich wächst sie vor allem als Park- und Holzbaum: Nördlich des 48. bis 50. Breitengrads reifen die Früchte nicht regelmäßig. Nach Deutschland brachten sie die Römer, die ihr witterungsfestes Holz unter anderem für den Weinbau nutzten. 2018 war die Esskastanie Baum des Jahres.

Was beim Sammeln gilt

Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt in § 39 Absatz 3, wild wachsende Früchte in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich zu sammeln – an Stellen, die du betreten darfst. Das heißt:

  • Nicht in Gärten, auf Privatgrund oder in bewirtschafteten Kastanienhainen sammeln – diese Bäume gehören jemandem.
  • Schutzgebiete: Naturschutzgebiete können eigene Verbote haben. Achte auf Schilder.
  • Nur kleine Mengen. Wer gewerblich sammeln will, braucht eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.
  • Lass etwas liegen. Eichhörnchen, Siebenschläfer, Häher und Krähen legen mit den Früchten Wintervorräte an. Vergessene Kastanien keimen im Frühjahr – so verbreitet sich der Baum.

Vom Fund in die Küche

Frische Esskastanien enthalten viel Wasser und Zucker und verderben deshalb schnell. Verarbeite sie bald oder mach sie haltbar: trocknen, kühl lagern oder einfrieren.

  • Sortieren: Früchte mit kleinen Löchern aussortieren. Darin können Larven von Esskastanienbohrer oder Kastanienwickler stecken, die das Innere fressen.
  • Einschneiden: Vor dem Rösten oder Kochen die Schale an der gewölbten Seite kreuzweise einritzen. Sonst kann sie in der Hitze platzen.
  • Rösten: im heißen Backofen oder in der Pfanne, bis sich die Schale an den Schnitten aufbiegt und das Innere weich ist. Dann schälen und dabei auch die dünne braune Innenhaut entfernen.

Geröstete Maronen schmecken süßlich, nussig und etwas mehlig. Gekocht passen sie als Beilage zu Geflügel oder in herbstliche Salate.

Kurz-Checkliste

  1. Blatt lang und schmal mit gesägtem Rand? → Esskastanie. Gefingert mit 5 bis 7 Blättchen? → Rosskastanie.
  2. Hülle dicht wie ein Igel, ein bis drei Früchte? → Esskastanie.
  3. Frucht mit kleiner, behaarter Spitze? → Esskastanie.
  4. Ein Merkmal passt nicht? → liegen lassen.
  5. Nur kleine Mengen, nur wo du betreten darfst, nie im Garten anderer.

Esskastanien in deiner Nähe finden

Auf der Fruit-Pin-Karte sind frei zugängliche Fundstellen eingetragen – Obstbäume, Nüsse, Beeren und Kräuter. Stell den Filter auf Nüsse und Saison, dann siehst du, was in deiner Gegend gerade reif sein kann.

Ein Eintrag auf der Karte ersetzt nicht die Bestimmung vor Ort: Schau dir Blatt, Hülle und Frucht immer selbst an.

Du kennst einen Esskastanienbaum an einer frei zugänglichen Stelle? Trag ihn als neuen Spot ein – so finden ihn auch andere.

Zur Karte

Bevor du sammelst

Bestimme jede Pflanze selbst sicher, bevor du sie isst. Angaben auf dieser Karte stammen von Nutzern und sind nicht geprüft. Im Zweifel nicht verzehren.

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